Stadt Bad Kreuznach 05.05.2014

 

Gedok zeigt Kabinettstückchen im Kreuznacher Schlossparkmuseum

 Die ausstellenden Künstlerinnen von Gedok Wiesbaden-Mainz um die Metallskulptur „Tanzende Grazien“ von Heidi Stöhr.
Foto: Vogt-Gladigau

 

Von Beate Vogt-Gladigau

 

BAD KREUZNACH - Vorwiegend kleinformatige Kunstwerke holten 14 Künstlerinnen der erst 2009 gegründeten Gedok-Regionalgruppe Wiesbaden-Mainz (Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer) aus ihren Kabinetten ans Tageslicht und präsentieren sie nun als „Kabinettstückchen“ bis 22. Juni im Schlossparkmuseum.

 

Die Arbeiten seien alle unter dem Aspekt „Schloss“ ausgesucht worden, spielte Vorsitzende Dolores Hackenberg auf den Ausstellungsort an. Bei dieser bemerkenswerten Sonderausstellung spiegeln Bilder, Skulpturen, Objekte, Schmuckstücke, Installationen und Texte gleichsam einen Ausschnitt der Kunstszene wider, in der verschiedene Kunstgattungen integriert sind. Es seien „Meisterwerke, durchaus auch kurios, virtuos, von Leichtigkeit oder auch Witz, voller Wagemut, diplomatischem Geschick und Finesse“, begeisterte sich Kulturdezernentin Andrea Manz. Und wie es sich für ein Kabinett gehört, „wirken manche Werke fast manieristisch überhöht“.

 

  • ÖFFNUNGSZEITEN

Die Sonderausstellung „Kabinettstücke“ wird bis 22. Juni im Schlossparkmuseum, Dessauer Straße 49, gezeigt – geöffnet dienstags von 10 bis 13 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 16 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

 

Damenakademie besucht

 

Der mächtige Wunsch nach Selbstbestimmung und Gleichberechtigung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte auch die Künstlerinnen-Szene erfasst. Musik, Literatur und Zeichnen gehörten zwar zur Bildung der höheren Töchter, „was jedoch nicht der Vorbereitung auf einen selbstständigen, selbstbestimmten Lebensweg, sondern der Vorbereitung auf eine standesgemäße Ehe diente“, stellte Museumsdirektorin Dr. Angela Nestler-Zapp bei der Vernissage nüchtern fest. Eine künstlerische Ausbildung für Frauen war nur durch Privatunterricht bei Kunstschaffenden oder an privaten Damenakademien möglich. Die 1886 gegründete Münchner Damenakademie besuchten übrigens auch Künstlerinnen aus Kreuznach: Helene Voigtländer und Alexe Altenkirch.

Ida Dehmel aus Bingen gründete als Gegenströmung zur lächelnden Missachtung weiblichen Kunstschaffens 1926 die Gedok als Interessenverband für Künstlerinnen aller Sparten. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem von Käthe Kollwitz, Ricarda Huch oder auch Annette Kolb. Die Gedok ist heute das älteste und europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Genres.

Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung „Kabinettstücke“ und beim Aufbau sei deutlich geworden, wie sehr sich die Gruppe im Sinne ihrer Gründerin als Solidargemeinschaft verstehe, unterstrich Nestler-Zapp. Federführend waren die drei Kuratorinnen Dolores Hackenberg (Gruppenvorsitzende), Dorothee Wenz und Younok Ou. „Das Ergebnis ist eine in sich schlüssige Präsentation, die den Arbeiten aller Gruppenmitglieder gerecht wird.“

Unter den verschiedenen künstlerischen Positionen, die in der Ausstellung zu entdecken sind, nimmt Dolores Hackenberg durch ihr interdisziplinäres Arbeiten eine Sonderstellung ein. Gemeinsam mit Johannes Schneider schuf sie die Klang-/Bildinstallation „Es muss (zu) uns durchdringen das Wunder“. Damit nimmt sie Bezug auf „Das Wunder von Lengede“. Bedrohlich wirkt die Situation für den Betrachter, der ein dunkles sargähnliches Kabinett betritt, das aber nach oben hin offen ist und einen Lichtschimmer und Hoffnung zulässt. Spürbar werden die letzten Sekunden vor dem Überlebenswunder der eingeschlossenen Bergleute durch Fotos und Musik, ehe sie gerettet werden. An dem „Wunder“ war auch der Bad Kreuznacher Bergbauingenieur Eberhard Au (Dahlbuschbombe) beteiligt.

Zu den ausstellenden Künstlerinnen gehören außerdem Goldschmiedin Frauke Witzke, Literatin Gisela Winterling, die ihre Gedichte auch als Gravur in zwei Silberringen schrieb, Keramikerin und Bildhauerin Dorothee Wenz, deren Skulptur „Fischköppe“ mit Augen aus dem Fundus eines Tierpräparators gestaltet ist, Goldschmiedin Elke Wolf, Diplom-Designerin Antje Dienstbir, Goldschmiedemeisterin Tanja Roolfs, Glaskünstlerin Nadja Recknagel, Objektkünstlerin Carola Lantermann, Bildhauerin Heidi Stöhr und die Malerinnen Gunhild Scharpf, Julia Isterling, Angelika Dautzenberg sowie Younok Ou. Die beiden Künstlerinnen Ariane Kluepfel und Rose-Marie Schoeneseiffen sind Schauspielerinnen und werden am Internationalen Museumstag (18. Mai) in der Performance „Kabinettstückchen“ ihre Kunst zeigen.