ÜBER DAS KUNSTBRÖTCHEN.         THESEN UND REFLEXIONEN.


TAG DER KUNSTBRÖTCHEN

Seit 2012 ist der 21. Mai der „Tag der Kunstbrötchen“. Erfunden und ausgerufen haben ihn Künstlerinnen der GEDOK Wiesbaden-Mainz. Der „Tag der Kunstbrötchen“ stellt die Wertschätzung künstlerischer Arbeit 24 Stunden lang in den Mittelpunkt.
Jeder Kunstbrötchen-Jahrestag hat seine eigene Kunstbrötchen-Edition: 2012 „vergoldet, verkohlt, verlegt“; 2013 „Heureka!“; 2014 „Das Dingsda da“; das Kunstbrötchen 2015 trägt den Titel „Das unsichtbare Brötchen“.


VIERUNDZWANZIG STUNDEN


Kunstbrötchen sind eine Investition in die Qualität der Zeit. Der „Kunstbrötchentag“ beginnt um 00:00 Uhr und endet um 24:00 Uhr. Während einer Erdumdrehung, d. h. 86400 Sekunden lang, geschieht das, was geschieht und das, was nicht ge­schieht. Kunst ist Geschehen und Nicht-Geschehen.


VERFLUXT. WHAT’S HAPPENING?

Und alles, was geschieht und nicht geschieht, geschieht jetzt, bezieht sich auf die unmittelbare Gegenwart, gibt bedächtig dem Moment Raum und agiert rasant im Raum aus dem Moment - mit allen Anwesenden und spontanen Reaktionen: collageartige Komponenten, Aktionsabläufe, inszeniert und improvisiert, vergänglich, nicht reproduzierbar, unverkäuflich; Objekte, erdacht, geschaffen, dauerhaft, limitiert - im verfluxten Raum verkäuflich.

Kunstbrötchenkunst ist keine Brötchenkunst. Kunstbrötchen müssen noch nicht einmal Brötchen sein, dürfen es aber. Kunstbrötchen sind Ur-Sachen. Kunstbrötchen sind Transfor­mationen. Kunstbrötchen sind Emotionen. Kunstbrötchen sind Unsinn. Kunstbrötchen sind ernst zu nehmen. Kunstbrötchen sind ein deutscher Klassiker. Kunstbrötchen sprechen alle Sprachen. Kunstbrötchen sind ein Bekenntnis.



SIND KUNSTBRÖTCHEN BROTLOS? MACHEN SIE SATT? ODER HUNGRIG?

Kunstbrötchen kann man nicht konsumieren. Sie sind nicht zum Verzehr geeignet. Sie sind kein Lebensmittel. Sie sichern nicht die menschliche Existenz, sie versichern uns jedoch der schöpferischen Existenz. Kunstbrötchen sind unser täglich
Brot – als Künstler, als Künstlerin.


BLINDTEXT

Das ist ein Text, der nicht sieht, denn er ist blind und unsichtbar ist er auch, denn er steht im Hintergrund,  und wenn man ihn liest, hat man nicht viel gesehen, da das, was mit anderen Sinnen arbeitet, den Augen nicht gerecht wird. Und doch wird hier davon berichtet. Blind. Von dem, was hinter den Kulissen, hinter den Atelierwänden, Studio- und Schreibstuben­mauern, von dem, was so im innersten Innern, von dem, was noch keine Sprache, keinen Ausdruck, von dem also, was nicht sichtbar, was nicht bar. Milchbrötchenrechnungen. Kein bares Geld. Aber auch kein barer Unsinn. Manchmal ein bares  Wunder. Manchmal bar jeder Vernunft. All das, was keiner zu sehen bekommt. Wohl aber zu spüren. Denn was viel Unsichtbares hat, hat mehr als das, was nichts Unsichtbares hat. Es hat Geheimnis. Es hat Tiefe. Es hat eine weite innere Landschaft.  Nicht jeder hat den Panoramablick. Was objektiv unsichtbar, kann subjektiv sichtbar … was objektiv sichtbar, kann subjektiv nicht zu sehen … Was zählt? Was erzählt das Werk vom Blinden? Wellenlängen, Schwingungen, Energieströme, Schlafmangel, Rückenschmerzen, Fragen der Existenz, Spannungen ... Eingespannt zwischen harten Fakten und Artefakten, zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Unfassbarem und Dingfestem. Dieser Text ist ein Blindläufer. Er steht im Hintergrund. Da gehört er auch hin. Aber gut, dass er da ist.

 

21.5.2015Tag der Kunstbrötchen . www.gedok-wiesbaden-mainz.de